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Zirkel und Klavier
I
Zirkel und Klavier
I
Matrose,
enter mir das Boot
dort am Horizont.
Und lass uns gleiten
in die See.
Hinein mit dir,
dort ist dein Platz.
Wir nehmen sieben Meere,
davon zuletzt die Beringsee.
Setz mich ab
am Strand von Kauai.
Wo der Wind zerrt und Cook
einst vor dir Erster war.
Dort will ich zirkeln
Kreise in den Sand.
Ich bringe dich an Land,
drücke dir den Zirkel
in die Hand.
Zieh mir Kreis um Kreis
auf deiner Haut.
Die Nadel senkrecht
hindurch zur zweiten Schicht.
Wirf mich über Bord
und fisch mich wieder hoch.
Lass mich in der Sonne trocknen,
polier den Lack
auf meinen Nägeln
und spiel auf dem Klavier
Chopin.
Ondine, schau.
Kosten magst du es – ich weiß.
Noch gehört sie nicht vollends
auf Meeres Grund.
Mein Strick hält sie am Fußgelenk.
Ruf die Schar herbei,
es gibt ein Fest
inmitten gebrochener Säulen Vinetas.
Halt dich nicht auf
so lang im salzenen Gewässer.
Es frisst an deiner zarten Haut.
Zieh sie mir ab
die weiße Kruste,
streu krümmelige Seife drauf
und fahr die Wunden nach
mit feuchten Fingern.
Die Tasten entlang auf dem Klavier,
Rachmaninoff.
Danach poliere ich den Lack,
Danach poliere ich den Lack,
wickle Brust und Hüfte frei
und ziehe Bahnen
mittig durch gewundene Risse.
Richtung Beringstraße,
unter uns Marianengraben.
Klebrige Finger im Wechselspiel der Tasten.
Chopin.
unter uns Marianengraben.
Klebrige Finger im Wechselspiel der Tasten.
Chopin.
II
Irgendwo in einem Mietshaus,
bevor ein Klicken des Schalters der Nachttischlampe das Zimmer verdunkelt,
öffnet eine Frau ein winzig schmales Etui. Dreht an Rädchen,
Mine und Nadel.
Mine und Nadel.
Die Rädchen etwas stumpf im Gewinde.
Und irgendwo in einem lärmenden Hafen,
derzeitig mangelt es dort an Tageslicht,
derzeitig mangelt es dort an Tageslicht,
steigt ein Seemann von Bord, erhält eine Nachricht im Stil von Telegramm:
Bechstein – verkauft – abgeholt..