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In diesem Frühjahr wurde der Russische Friedhof
renoviert.
Die Gräber leuchten jetzt wie neu. Auch die Friedhofstore
hat man frisch überstrichen (die beiden Sowjetsterne sind
jetzt grau) und einen stabileren Zaun gegen die
Wildschweine
gebaut, die diese Gegend beherrschen.
Meist hocke ich nur da am Grab, und mir fällt nicht viel
ein. Keine Hymnen,
kein Psalm. Der Wald hält still oder
rauscht mit den alten Sätzen:
„Die Toten warten auf uns, Ed, was sagst du dazu?“
oder
„Denk an das grüne Licht“
oder
„Hier wartest du so lange und rührst dich nicht weg“.
„Ich verspreche es“, murmelte ich, und irgendwann kommen
Speiche und ich auf den Klausner zu sprechen, die Arbeit
im Abwasch, Schöpfkellen, Viola, Koch-Mike und
irgendetwas,
was nur dort, auf der Insel, zu haben gewesen war, und
auch nur damals. Und
warum er es trotzdem versuchen musste, warum es keinen
anderen Weg für ihn
gegeben hatte.
Wenn ich Zeit habe, halte ich auf dem Rückweg bei „Ritas
Imbiss“, einer Bretterbude an der B 2, auf halbem Weg nach
Hause. Es gibt dort ein Sägewerk und eine stillgelegte
Bahn-
station namens Nesselgrund. Und es gibt eine
Wendeschleife
für Lastkraftwagen – eigentlich ist es nur ein sehr
großer
freier Platz, nichts als Sand, wie am Strand, drei
Kilometer
vor Potsdam.
(Lutz Seiler, Kruso)